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Ist Selbstbefriedigung Sünde?

Dieses Thema im Forum "Sexualität" wurde erstellt von Religionslehrer, 3 Januar 2012.

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    Hallo,

    die meisten Jugendlichen und Erwachsenen machen Selbstbefriedigung. Von den Kirchen wird das gar nicht gern gesehen. Speziell die katholische Kirche betrachtet SB als unzüchtige Handlung und Sünde. Meine Frage: Wie steht ihr dazu? Ist Selbstbefriedigung Sünde? Als Diskussionseinstieg schreibe ich im Folgenden meine persönliche Einstellung.

    Selbstbefriedigung ist KEINE Sünde!
    Selbstbefriedigung kommt in der Bibel gar nicht vor. In der bekannten Onan-Geschichte vollzog Onan keine SB, sondern Coitus interruptus, also Empfängnisverhütung. Die Meinung, SB sei Sünde und "unrein" (unrein auch die weibliche Periode!), ist reine Willkür. Nach Erkenntnissen der heutigen Medizin, Psychologie und Sexualwissenschaft ist SB eine eigenständige und wertvolle Form der Sexualität. Der Sexualtrieb ist uns Menschen angeboren und wir behalten ihn ein Leben lang. Er ist NICHT auf den ehelichen Geschlechtsverkehr beschränkt! Schon Embryos im Mutterleib berühren ihre Geschlechtsteile. Das beweisen Ultraschallaufnahmen. Für Jugendliche ist SB Triebabfuhr und Einüben ihrer Sexualität (die laut Schöpfungsbericht von Gott gegeben ist). Erwachsene können die SB als Bereicherung ihres Sexuallebens erfahren, und für viele, vor allem Frauen, ist sie ein gutes Orgasmustraining.
    Ich empfinde es als ungeheure Arroganz und Größenwahn, wenn "Christen" Menschen, die sich selbst befriedigen, verachten und für alle gültige Verbote aufstellen wollen. Die jahrhundertelange Unterdrückung der SB durch Mediziner, Pädagogen und Kirchenväter (gibt es eigentlich auch Kirchenmütter?) hat viel Not und Elend über die Menschheit gebracht. Ich erinnere nur an die zahlreichen Klitoridektomien in Europa und den USA zur "Behandlung" der weiblichen Masturbation.
    Selbstbefriedigung - eine Sünde? NEIN!
     
  2. Innere_Freiheit

    Innere_Freiheit Well-Known Member

    Hallo Religionslehrer,

    erst mal willkommen hier im Forum!

    Ich fühle mich der Kirche schon lange nicht mehr angehörig - von daher ist mir völlig egal, was sie zum Thema "Selbstbefriedigung" sagt.

    Du scheinst jedoch von deinem "Pro-Selbstbefriedigung" selbst nicht so 100%ig überzeugt zu sein?
    Oder was hat dich dazu bewogen, das Thema hier zu eröffnet?

    L.G. Innere Freiheit
     
  3. Hallo Innere Freiheit (der Name ist Programm?)!

    Doch, 100%. Ich wollte ein nach wie vor umstrittenes Thema zur Diskussion stellen, vielleicht wird es ja von verschiedenen Seiten beleuchtet.

    LG
    Religionslehrer
     
  4. Innere_Freiheit

    Innere_Freiheit Well-Known Member

    Hallo Religionslehrer,

    Ich muss zugeben, dass ich als sehr katholisch erzogener Mensch lange Zeit ein sehr problematisches Verhältnis zu Sexualität und zur Selbstbefriedigung hatte. Im Laufe meiner Therapie hatte sich dann allerdings sehr gewandelt, obwohl ich das Thema "Sexualität" nie in der Therapie angesprochen habe.

    Da ich heute nicht mehr an "Sünde" glaube, betrachte ich heute Sexualität und Selbstbefriedigung nicht mehr aus diesem Blickwinckel.
    Die Frage heute ist für mich lediglich, was mir nützt und was mir schadet,
    und noch wichtiger: was zu meinem wahren Wesen gehört.... und was nicht.

    Zu häufigen Sex / Selbstbefriedigung hat für mich als Mann zumindest den Aspekt der Kraft- und Energieverschwendung. Ich hatte mal vor Jahren versucht, mich speziellen asiatischen Techniken meinen Orgasmus von der Ejakulation zu trennen, was angeblich möglich ist. - Leider ist mir dies damals nicht gelungen, aber ich habe sehr viel darüber gelernt, wie ich den Orgasmus sehr lange hinauszögern kann.

    Einen lieben Gruß von der Inneren Freiheit




    (Denn Innere Freiheit ist es, was ich, auch durch Loslassen von nutzlosem inneren Widerstand, zu erreichen versuche.)
     
  5. Walter

    Walter Administrator Mitarbeiter

    Die katholische Kirche zu Fragen der Sexualität zu befragen wäre so, als würde man einen Vegetarier fragen, was er von einer bestimmten Fleischsauce hält.
     
    SANDY, ChrisTina, Spätzin und 3 anderen gefällt das.
  6. Ritter Omlett

    Ritter Omlett Well-Known Member

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    Serwus Religionslehrer!
    Ich muss ehrlich gestehen, dass ich bisher noch nicht bekommen habe, dass SB seitens der Kirche als Sünde dargestellt wird. Aber ich kümmer mich ehrlich gesagt sehr wenig darüber.

    Die wichtigste Frage ist eigentlich, was verstehen wir unter Sünde? Ein Schöpfer der die Möglichkeit hat, Leben zu erschaffen, spricht über Gebote und wenn ich das nicht mache, was er will, ist es Sünde? Damit müsste der Begriff Sünde Ausdruck einer Diktatur sein.

    Ich gehe davon aus, wenn es einen Schöpfer gibt, der mir das Leben geschenkt hat, mit allem Drum und Dran, so wird es in seinem Interesse sein, dass ich selber entscheide was ich für richtig halte oder nicht, denn sonst hätte er mich wie einen PC mit einem Programm konfiguriert.

    Die Meinung der Kirche ist mir eigentlich egal.
    lg
     
  7. sovio

    sovio Well-Known Member

    Ha, da ist noch einiges mehr faul...

    Walter, so einfach möcht ich mirs nicht machen. Die Christenkrche hat eine menge sehr intelligente Leute in sich versammelt. Davon auszugehen, dass die lediglich keine Ahnung haben, halte ich für falsch. Man müsste schon fragen was sie beabsichtigen - auch auf die Gefahr hin, dass herauskommen könnte, dass das was sie beabsichtigen ethisch nicht so ganz einwandfrei ist...

    Ritter O., der "Schöpfer" *hat* Dich mit einem Programm konfiguriert. Genaugenommen zwei Programme: Selbsterhalt und Arterhalt. Alles andere hängt irgendwie da dran. Versuch mal, gegen diese Programme zu handeln, und Du wirst interessante Erfahrungen machen...

    Viel schwieriger wirds, zu fragen: was ist eigentlich "Sünde"?
    Die Chistenkirche erklärt Sünde, indem sie erstmal einen "Gott" behauptet, und dann diesen "Gott" als Rechtfertigung vorschiebt: der "Gott" sagt was Sünde ist. Und dann - Religionslehrer, Du hast oben beschrieben, dass es dann nichtmal dafür taugliche Quellen-Belege gibt. Das ist ein schönes Schlamassel, aber das Schlamassel mit dem "Gott" ist an sich noch viel schlimmer. Denn: was ist dieser "Gott" eigentlich? Das weiss ja kein Mensch.

    Du kannst ein Wort grundsätzlich erst dann benutzen, wenn du ein Ding zum zweitenmal siehst. Einfaches Beispiel: du nennst einen Tisch "Tisch". Das kannst du nur deshalb tun, weil dir irgendwann mal jemand einen Tisch gezeigt hat, und dir gesagt hat, dass dieses Ding "Tisch" heißt.
    Wenn du dann zum zweitenmal einen Tisch siehst, dann kannst du ihn "Tisch" nennen und damit etwas sinnvolles aussagen.
    Da man nun aber "Gott" niemandem zeigen kann, funktioniert das für "Gott" nicht. Woraus folgt: es kann keine zwei Menschen geben, die unter "Gott" dasselbe verstehen!
    Es gibt zwar eine menge Menschen, die das Wort "Gott" benutzen (und womöglich der Meinung sind, es wäre klar was sie damit meinen) - aber es kann dabei keine Verständigung passieren!
    Es ist sinnlos, irgendetwas mit "Gott" zu begründen - niemand kann wissen was damit gemeint ist.

    Aber scheinbar funktionierts dennoch recht gut - eine Vielzahl Menschen tun allerlei Dinge (oder tun Dinge nicht) weil sie der Auffassung sind, "Gott" würde das so wollen.
    Es gibt also offenbar ein soziales und/oder psychisches Bedürfnis, einen Gott zu haben - obwohl das jeder Logik widerspricht. (Und dann gibt es auch noch ein metaphysisch-psychisches Phänomen, das man oft als Gotteserfahrung bezeichnet - aber die, denen das passiert ist, die brauchen i.d.R. keine Kirche mehr.)

    Jetzt müsste man fragen: woher kommt das Bedürfnis, sich im Glauben an einen "Gott" zusammenzufinden? Woher kommt das Bedürfnis, Regeln aufzustellen für das was diesem Gott angeblich gefällig ist? Und woher kommt das Bedürfnis, dann andere Leute, die womöglich nichtmal danach gefragt haben, mit diesen Regeln zu traktieren?

    Nächste Frage: brauchen wir Regeln? Ich denke ja, eine Gesellschaft ohne Regeln funktioniert nicht. Und wenn Menschen sich selber Regeln geben, hat das bisher auch nicht so recht funktioniert - da sind dann immer welche aufgetaucht die "gleicher" sind als die anderen. (Nicht dass es mit den gottgegebenen Regeln so viel besser funktionieren täte.)

    So weit so schlecht. Dann stellt sich eine Frage, an der ich lang gerätselt hab: warum neigen grad Religionen dazu, sich ins Sexualleben der Menschen einzumischen? ICh mein, über Regeln im sinne von "du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen", usw. brauchen wir wohl nicht diskutieren, da steckt ein gewisser Sinn drin. Aber warum will eine Religion bestimmen was "gottgefälliger" Sex ist?
    Die Frage hab ich dann etwas weiter gefasst: wo gibt es Tendenzen, dass dem Menschen vorgeschrieben wird was sein Privatvergnügen sein darf und was nicht - wo es offenbar nur um Einschränkung geht, und niemand weiters zu schaden kommen täte?
    Das sind interessanterweise drei Themen: Sex and Drugs and Rock'n'Roll.

    Es will fast scheinen als hätte jede Kultur (oder Subkultur) eine Vorstellung davon, was rechter Sex ist, und was rechte Drogen sind (in jeder Kultur werden Drogen genommen), und was rechte Musik ist.
    Und dann ist mir eine Idee gekommen, worum es da gehen könnte. Auf diesen drei Dingen ist "power drauf" - da kann man was mit machen - da kommt im Bewusstsein was in Bewegung. Und es sind auch alles drei Dinge, die "Kommunion" ermöglichen können (ich meine das allgemein im sinne von sehr intensivem Gemeinschaftserleben).

    Es geht da um Dinge, die den Zusammehang einer Kultur ausmachen. Eine Kultur wird eben nicht zusammengehalten von Grundgesetz oder Demokratie - sondern sie wird von diesen Dingen zusammengehalten. Und die Kirchentruppe, jedenfalls die Oberen dort, wissen das sehr wohl.

    Dann gibt es da ein grundsätzliches Dilemma: jede Kultur und jede Gemeinschaft stellt den Menschen in einen Konflikt, zwischen seiner Individualität und dem Gemeinschaftssinn. Und es gibt da keine Patentlösung, sondern jeder Mensch muss das für jede Gemeinschaft selber herausfinden. Schon in einer gewöhnlichen Paarbeziehung muss geklärt werden wieviel Gemeinschaft und wieviel individuelle Freiheit man will.

    Wenn ein Mensch über diese Frage nachdenkt, dann tut er fast immer deshalb, weil es um seine ganz eigene Freiheit oder sein eigenes Beziehungefühl geht - er tut es aus Eigeninteresse, um seine eigenen persönlichen Bedürfnisse zu erfüllen. Es passiert sehr selten, dass Menschen darüber nachdenken, wie Gemeinschaft an sich funktionieren kann, und dabei über ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen hinausschauen.
    Die nahezu einzigen Instanzen, die sich solche Gedanken machen, sind die Religionen.

    Und damit haben wir wohl den Grund, warum Religionen nach wie vor ernstgenommen werden: weil sie den Menschen Spielregeln an die Hand geben, nach denen sie zusammenleben können.
     
  8. Die römisch-katholische Kirche brandmarkt Selbstbefriedigung als eine "in sich schwere ordnungswidrige Handlung" (Katechismus der Katholischen Kirche, KKK, Nr. 2352), also Sünde. Lange Zeit führte sie als Beweis die bekannte alttestamentarische Onan-Geschichte an. Jedoch vollzog Onan keine SB, sondern Coitus interruptus, also Empfängnisverhütung. Er wollte seinem verstorbenen Bruder und dessen Witwe keine Nachkommen hinterlassen und verstieß damit gegen das jüdische Gesetz und das Gebot Gottes. Für seinen Ungehorsam wurde er von Gott mit dem Tode bestraft.
    Selbstbefriedigung wird in der Bibel nirgendwo erwähnt. Die Beurteilung als Sünde ist subjektiv und willkürlich und biblisch nicht belegbar.
     
  9. Clara Clayton

    Clara Clayton Well-Known Member

    Ein Diskussionsthema, bei dem keine Diskussion zustande kommt, ist langweilig.

    Wir sind uns hier ja wohl alle einig, daß Selbstbefriedigung keine Sünde ist.

    Religionslehrer, deine Onan-Geschichte hast du in deinem ersten Posting bereits erwähnt. Du wiederholst dich.
     
  10. Hallo Clara,

    das zweite Erwähnen der Onan-Geschichte sollte den Eingangssatz spezifizieren.
    LG
    Religionslehrer
     
  11. Clara Clayton

    Clara Clayton Well-Known Member

    Bei der Onan-Story geht es um die "Verschwendung" von Samen. Daher der immer wieder gerne zitierte Vergleich mit der Selbstbefriedigung.
     
  12. Stimmt, aber die "Verschwendung" findet auch bei jedem Geschlechtsakt statt, denn da werden viele Millionen Spermien verschleudert, obwohl zur Befruchtung nur ein Exemplar benötigt wird. Vor Jahrtausenden glaubte man, im männlichen Samen wären bereits "fertige" Menschen, die nur der Frau ins "Nest" gelegt werden müssten. Erst im 17. Jahrhundert erkannte man die "Wahrheit" über Samen- und Eizelle.
     
  13. Clara Clayton

    Clara Clayton Well-Known Member

    Deswegen sollen Frau und Mann(laut katholischer Kirche)den Geschlechtsakt nur aus Gründen der Fortpflanzung betreiben.

    Hör mal, wir sind uns ja wohl Beide einig, was für ein Quatsch das ist, oder?
     
  14. Ja, das sind wir. Ich war auch in christlichen (katholischen) Foren, und da wurden teilweise sehr kirchliche Standpunkte vertreten. Da gab´s ordentlich Gegenwind für mich!

    Liebe Grüße
    Religionslehrer
     
  15. Damit es nicht zu ernst wird, hier zwei religiöse Witze:
    1) Wenn jemand in einem dunklen Tunnel ohne Licht eine schwarze Katze sucht, dann ist das ein Psychologe. Wenn dann jemand noch behauptet: "Ich hab' sie!", dann ist das ein Theologe!
    2) Der Priester: "Mein Sohn, wirst du von unkeuschen Gedanken geplagt?" Der junge Mann: "Im Gegenteil, sie machen mir Vergnügen!"
     

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