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Zukunftsängste

Dieses Thema im Forum "Allgemeine Lebensfragen" wurde erstellt von bluemerant, 11 Oktober 2015.

  1. bluemerant

    bluemerant Well-Known Member

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    Liebe Leute,

    in letzter Zeit hat sich meine Lebenssituation etwas verändert und es sind für mich einige damit verbundene Probleme aufgetreten, die ich an dieser Stelle gerne mit Euch besprechen möchte.

    Also los geht es:
    Vor 2 Monaten habe ich beschlossen mein Studium zu unterbrechen, da ich seit geraumer Zeit seelisch nicht mehr in der Lage bin, die anfallenden Aufgaben und Projekte noch stringent genug durch zuziehen.
    Eigentlich wäre für mich jetzt das Diplomjahr angebrochen, leider habe ich aber erst viel zu spät auf Symptome wie zum Beispiel Konzentrationsschwierigkeiten, sozialer Rückzug, extreme Dünnhäutigkeit etc.,die mich nun schon etwa 2 Jahre lang belasten, reagiert.

    Infolge dessen schaffte ich es nicht mehr wichtige Hausarbeiten zu schreiben, auch wenn ich weiterhin die Vorlesungen und Seminare besuchte und auch tatsächlich guten Willens war, die anfallenden Aufgaben zu erledigen. Aber irgendeine innere Blockade hielt mich immer wieder davon ab, meine Vorhaben konsequent zu Ende zu führen. So habe ich zwar die passende Literatur aus der Bibliothek geliehen und auch "Exkursionen" unternommen, trotzdem blieb alles merkwürdig "ungeordnet" in meinem Kopf.

    Andererseits konnte ich an einem (selbst gestellten) Projekt noch sehr gut arbeiten, fokussierte meine Aufmerksamkeit dann aber soweit auf dieses, dass ich alles andere und schließlich auch meine Freunde dafür vernachlässigte.

    Schließlich sah ich ein, dass es so nicht weitergeht. Ich ließ mich vorübergehend exmatrikulieren, klärte Fragen zur Wiederimmatrikulation mit meiner Professorin ab und bemühe mich seitdem um eine Therapie.
    Das ist zwar gar nicht so einfach, aber immerhin hat mir eine Psychiaterin nun ein Medikament verschrieben, das die Symptome etwas lindert.

    Ich habe zudem auch entschieden, für die Dauer der Beurlaubung in meine Heimatstadt zurück zuziehen, da ich mich in der "Unistadt" nie so wirklich wohl gefühlt habe und denke, hier besser auf "klare Gedanken" kommen zu können.

    Andererseits warten dort auch wieder eine Menge familiärer Probleme auf mich, von denen ich befürchte noch mehr "geschluckt" zu werden... :unsure:

    Am allermeisten beschäftigt mich dabei meine Mutter. Ich muss dazu sagen, dass ich schon immer ein sehr gutes Verhältnis zu ihr hatte. Sie leidet seit 28 Jahren an einer sehr verzwickten Verlaufsform der Multiplen Sklerose, die ihr immer mehr zu schaffen macht und für deren Behandlung mittlerweile auch die Ärzte keinen Rat mehr wissen...
    Durch den Fortschritt der Krankheit hat sich natürlich auch die Situation zu Hause drastisch verändert.
    Sogar so sehr, dass ich es bisweilen kaum noch als mein "ursprüngliches Daheim" wiedererkenne...

    Ich würde mir so oder so meine eigenen vier Wände suchen, in denen ich auch in Ruhe arbeiten könnte,
    aber ich muss schon sagen, dass ich schon immer sehr unter dem Leiden meiner Mutter "mitgelitten" habe.
    In meiner Heimatstadt wäre ich dann wenigstens näher bei ihr und würde nicht ratlos und verzweifelt weit weg sitzen, wenn mich mal wieder die Nachricht, dass sie in der Notaufnahme gelandet ist.

    Ich habe etwas Angst davor, dass dieser ganze Druck letztendlich zu groß für mich wird um ihn überhaupt bewältigen zu können, denn es fällt mir wirklich sehr schwer eine innere Distanz dazu zu schaffen. Und mache mir Gedanken, ob ich unter diesen Umständen überhaupt eine Möglichkeit finde, an meinen eigenen Baustellen zu arbeiten.

    Ich Danke Euch herzlich fürs durchlesen! :)

    Liebe Grüße,
    Bluemerant
     
  2. Michael89

    Michael89 Member

    Hallo Bluemerant,

    ich finde gut, dass Du Dich mit Deinem Problem meldest, und dass Du gemerkt hast, dass es Dir nicht gut geht. Ich möchte Dir gerne helfen, muss aber bei ein paar Sachen nachfragen, um Dich besser zu verstehen.

    Du schreibst, dass Dich eine innere Blockade davon abhält Deine Studienprojekte zu Ende zu führen. Weißt Du, was Deine innere Blockade ist? Wenn Du das nicht weißt, musst Du dem auf den Grund gehen.

    Hast Du Dich an der Uni dann ganz exmatrikuliert? Wie hast Du das für Dich begründet? Du hast Dich ja dann wieder immatrikuliert. Wieder für dasselbe Studienfach?

    Du hast geschrieben, dass Du bei einer Psychiaterin warst. Was hat die zu Deinem Problem gesagt? Warum verschreibt Sie Dir Medikamente? Hast Du da regelmäßige Termine?

    Ich glaube, dass die Medikamente zwar Deine Symptome lindern, aber dass die Ursache Deines Problems noch da ist.

    Bei den Unis gibt bei der Studienberatung doch auch psychologische Beratungsstellen.
    Hast Du Dich auch schon mal an diese gewendet?

    Das familiäre Problem mit der Krankheit von Deiner Mutter ist natürlich eine riesige Belastung. Gibt es in Deiner Familie noch andere Probleme?



    Viele Grüße
    Michael
     
  3. bluemerant

    bluemerant Well-Known Member

    Hallo Michael,

    schön, dass Du Dir die Zeit genommen hast zu antworten! :)

    Nein, ich bin mir darüber nicht 100% im Klaren, bzw. ich traue es mir im Moment (noch) nicht zu, es klar auszuformulieren. Deshalb würde ich diesen Grund gern mit therapeutischer Hilfe aufarbeiten.
    Ich weiß nur, dass meine Motivation seit 2 Jahren immer mehr schwindet. Aber eigentlich muss ich sogar gestehen, dass ich meine Studienaufgaben von Anfang an oft mehr als "Zwangsarbeit", denn als etwas Positives empfunden habe.
    Vielleicht auch, weil es mir nicht selten schwer fiel, mich mit den abzuarbeitenden Inhalten zu identifizieren. Im Grundstudium erfüllte ich dass von mir erwartete Leistungspensum trotzdem, aber irgendwann gab es dann eben diesen Einbruch, der sich eigentlich schon vor 2 Jahren langsam anschlich und nun von mir nicht mehr wegzuleugnen ist...

    Ich muss dazu aber betonen, dass es keinesfalls so ist, dass ich mit dem Studienfach an sich unzufrieden wäre.

    Ja, ich bin seit dem 1.10. offiziell exmatrikuliert. Eben wegen "gesundheitlicher Probleme". Nur beurlauben lassen wollte ich mich nicht, denn ich bekomme BaföG und würde für die Dauer der Beurlaubung keine finanzielle Unterstützung erhalten, wenn ich immatrikuliert bliebe. Aber meine Professorin hat mir im persönlichen Gespräch zugesichert, mich wieder aufzunehmen, sobald ich fit genug dafür bin - denn dieses "Okay" von der Professorin wird das Immatrikulationsamt verlangen, sobald ich das Studium später weiter verfolgen möchte.
    Meine Professorin ist da zum Glück sehr verständnisvoll, denn psychische Erkrankungen sind unter den Studierenden und Lehrenden meines Fachbereichs (ich studiere Kunst) leider absolut keine Seltenheit.

    Ich wurde einige Jahre lang ambulant von einem Psychologen betreut, zuletzt hielt sich unser Kontakt nur noch sporadisch. Schließlich überwarfen wir uns. Ich mit der Begründung, bei ihm auf zu wenig Verständnis für meine Lebenssituation zu stoßen und zu sehr unter Druck im Studium "gute Leistungen" erbringen zu müssen zu stehen und er wohl, weil er mich für hoffnungsvoll hielt und nun enttäuscht war, dass seine mir gegenüber erbrachte "Förderung" (zum Beispiel organisierte er Ausstellungsräume für mich) nun doch nicht die erhofften Früchte trägt.

    Da es nicht so einfach ist, an einen neuen Therapieplatz zu kommen habe ich also den Weg gewählt, mir zunächst ein Medikament zur Überbrückung verschreiben zu lassen. Die Psychiaterin kennt mich seit etwa 7 Jahren und befragte mich nach meinen Symptomen, sie verbuchte meine Schilderungen schließlich unter der Diagnose "rezidierende Deppressionen." Die Psychopharmaka vertrage ich soweit auch gut, was ich eigentlich nicht erwartet hätte, denn für gewöhnlich reagiere ich eher empfindlich auf synthetische Präparate und habe deren Einsatz deshalb bisher bis auf sehr wenige Ausnahmen abgelehnt.
    Ja, ich habe im kommenden Monat meinen nächsten Termin bei ihr.

    Bei der psychosozialen Beratungsstelle des Studentenwerks war ich vor einiger Zeit. Ich habe gehofft, dadurch eventuell etwas früher an einen Therapieplatz zu kommen. Theoretisch wäre das auch möglich, denn das Institut der Uni bietet Gesprächstherapie von Psychologiestudierenden im praktischen Jahr an. Was ich an sich auch sehr gut finde, denn ich kann mir vorstellen, dass jüngere Menschen eher Empathie für meine Probleme besitzen könnten. (Mein voriger Therapeut war wesentlich älter als ich, studierte in der DDR auf und verhielt sich (auch seinem heutigen Weltbild nach zu schlussfolgern) ziemlich "systemkonform".)
    Aber da ich wegen dem sich immer weiter zuspitzenden Krankheitszustand meiner Mutter innerhalb der letzten 3 Monate hauptsächlich bei meinen Eltern zu Hause war, habe ich leider auch keinen Termin dort abgesprochen.

    Oh, das ist natürlich eine Schlüsselfrage. Ja, es gibt noch einige andere Probleme. Aber ich befürchte, diese aufzuführen würde den Rahmen sprengen...
    Vielleicht wichtig hinzu zu erwähnen wäre, dass mein Vater sich seit Anbeginn um meine kranke Mutter kümmert. Viele Jahre lang auch ohne jegliche Unterstützung von außen. Er zeigt sich zunehmend überfordert mit der Versorgung meiner Mutter. Mittlerweile ist auch meine Großmutter mit ins Haus gezogen und 2 Pflegerin kümmern sich zusätzlich um meine Mutter. Hinzu kommt täglich ein ambulanter Pflegedienst, der meine Oma versorgt.

    So, ich hoffe ich konnte Deine Fragen einigermaßen zufriedenstellend beantworten. :)

    Liebe Grüße,
    Bluemerant
     
  4. bluemerant

    bluemerant Well-Known Member

    Edit:

    Sorry, ich meine natürlich rezidivierende Depression.
     
  5. Michael89

    Michael89 Member

    Ich finde das gut, dass Du den Grund Deiner Blockade mit therapeutischer Hilfe herausfinden möchtest.


    Das mit Deinem Studium hört sich momentan so an, als ob Du Dich da durchzwingen willst. Du solltest aber Dein Studium nicht nur erfolgreich abschließen, sondern es sollte Dir auch währenddessen irgendwie was dabei geben... so eine Art Kraft oder Ressource, die Du brauchst um die eher schwer verdaulichen Sachen im Studium trotzdem zu packen. Die gibt es leider immer.


    Das mit den Matrikulationssachen ist immer so eine Sache. Aber da hast Du Dich ja von Deiner Professorin beraten lassen, so dass das alles abgesegnet ist. Und ich finde, dass das sehr mutig von Dir ist, dass Du mit Deiner Professorin über Deinem Gesundheitsstand gesprochen hast. Und so wie Du das beschreibst hatte sie dabei auch Verständnis.


    Du hast geschrieben, dass Du im Gespräch mit einem Psychologen warst und ihr nicht mehr zurecht gekommen seid. Das kann leider immer passieren. Dabei finde ich aber, dass er mit seiner Hilfe Dir Ausstellungsräume zu organisieren seine professionelle Distanz überschritten hat, obwohl er das bestimmt gut gemeint hat.


    Über was habt ihr in diesen Gesprächen so geredet? Von außen betrachtet und das, was Du bisher erzählt hast, könnte man meinen, dass ihr nur sehr oberflächlich geredet habt. War das so, oder habt ihr auch mal über Deine Vorstellung von Deinem Leben gesprochen, über Deine Träume, über Beziehungen. Darüber wie Deine Eltern Dich sehen, was sie vielleicht in Dich hineinprojizieren, was Du mal werden sollst.


    Hast Du momentan einen Lebensgefährten? Oder hast Du eine längere Beziehung gehabt? Erzähl mal!


    Du bist schon einige Zeit bei einer Psychiaterin in Behandlung. Aber die verschreibt Dir doch nicht nur Medikamente oder?

    Du hast im kommenden Monat wieder einen Termin. Was steht da auf dem Programm? Habt ihr da ein Thema, über das ihr reden wollt?


    Probier das Angebot mit den Psychologiestudierenden im praktischen Jahr von der Uni einfach mal aus. Vielleicht können die sich wirklich besser in Dich hineinversetzen.

    Das ist aber immer sehr individuell.


    Ich hatte selbst mal starke Motivationsprobleme an der Uni und habe dann auch öfter mal mit einem Psychologen an der Uni geredet. Der Psychologe war aber etwa so alt wie meine Eltern. Und was wir dabei rausgefunden haben: Ich wollte auch zu einem männlichen Psychologen, weil ich Probleme mit meinem Vater hatte. Also Geschlecht und Alter können dabei wirklich eine wichtige Rolle spielen. Für Dich musst Du das selbst rausfinden.



    Okay. Hier musst Du raus aus der Komfortzone! Und anscheinend sind diese Probleme nicht so klein. Verdrängst Du da was?


    Verdrängung ist ganz natürlich. Das ist einfach ein Schutzmechanismus vor starken Gefühlen, die dabei auftreten. Aber mit diesen anderen Problemen müsstest Du Dich auch auseinandersetzen. Und das kann vielleicht auch sehr schmerzhaft werden, sodass Du da vielleicht irgendwie eine Hilfe brauchen könntest. Da sollte dann auch das Know-How eines Therapeuten vorhanden sein, der mit Dir dann die möglicherweise aufgestauten Gefühle kanalisieren kann.


    Wie ist Dein Verhältnis zu Deinem Vater?


    Die Situation bei Dir zuhause mit Deine Mutter, Deinem Vater und Deiner Großmutter hört sich wirklich sehr belastend an.

    Du kannst die Situation nicht ändern, aber Du musst es irgendwie schaffen, dass Du mit Deinen Problemen umgehen kannst.
     
    Hortensie gefällt das.

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