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Wie werde ich endlich wirklich erwachsen?

Dieses Thema im Forum "Allgemeine Lebensfragen" wurde erstellt von Julchen, 24 Januar 2016.

  1. Julchen

    Julchen New Member

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    Und was bedeutet es, erwachsen zu sein? Wer hat Lust, sich mit mir darüber zu unterhalten? Durch die zunehmende Hilfsbedürftigkeit meiner Mutter stellt sich mir diese Frage mit neuer Dringlichkeit. Ich möchte nicht mein Leben einzig damit verbracht haben, die Tochter meiner Eltern, der Umstände, meiner Herkunft zu sein. In sich selbst ruhen, einen Halt in sich selbst finden, wirklich wissen, wer ich bin und was ich will, Sehnsucht nach "Selbstermächtigung" ... Wen treibt das auch um? Was hilft dir auf deinem Weg?
     
  2. Hortensie

    Hortensie Well-Known Member

    Puh, das ist sehr schwierig.
    Ich bin gerade erst dabei erwachsen zu werden. Und das mit fast 50. Warum? Das weiß ich nicht.
    Ich finde bzw. fand es schwierig (also bei meinem Vorleben) eigenständig zu werden. Meine Eltern (ich weiß auch nicht genau wer davon) lassen nicht los.
    Sie haben mich ein Leben lang kontrolliert, ohne dass ich es gemerkt habe. Erst auf einen Hinweis von außen ist es mir bewusst gemacht worden.
    Sie haben versucht mich immer abhängig zu halten. Bei meinen Geschwistern (teilweise) ist es immer noch so.
    Es ist schwierig anders zu handeln, als man es beigebracht bekommen hat. Für mich zumindest.
    Ich denke ziemlich anders als meine Familie. Und das ist in der Vergangenheit (nein auch heute noch, doch da klappt es nicht immer so) unterdrückt worden. Du wirst nie.....Das kannst du nicht..... Bist du überhaupt unser Kind..... Die xxx wird nie.... Dazu bist du nicht geboren.....
    NEIN das stimmt alles nicht, das haben sie mir nur immer eingeredet. Durch diese Dinge ist es für mich auch schwierig gewesen mir eigene Meinungen zu bilden oder überhaupt mal etwas zu sagen. Ich dachte immer, was ich zu sagen habe ist nicht so wichtig. Deswegen habe ich mir meinen Teil gedacht, aber nie bzw. selten gesagt.

    Du bist dein Leben lang Tochter deiner Eltern, der Umstände und deiner Herkunft. Das kannst du nicht verleugnen. Ein Teil des Erwachsenwerdens ist, das zu akzeptieren. Das ist nicht einfach. Erst ist man sauer, dann grämt man sich. Man ist beleidigt und störrisch. Vielleicht bricht man auch den Kontakt ab......nein, auch wenn wir nicht mit dem zufrieden sind, wie es gelaufen ist. Es hat uns nun mal zu dem gemacht was und wie wir sind. Das müssen wir akzeptieren. Unsere Eltern (zumindest die meisten) wollten doch nur unser Bestes...was immer das auch sein mag. :pUnd wenn es uns nicht gefällt, können nur wir es ändern. Wie? Ja da müssen wir uns einen Weg suchen. Wo wir wieder bei der Frage sind, wie kann ich lernen anders zu denken, wo ich es doch soooo gaaaar nicht gelernt habe. Immer noch schwierig.

    Einfach offen sein für alle Ideen. Ich glaube, man spürt dann irgendwie ob etwas für einen dabei ist. Vorausgesetzt man/du/ich haben eine gewisse Grundausstattung mitbekommen. Es ist nicht so, dass meine Eltern mich nicht lieben. Sie sind Kriegskinder und hatten es selber nicht so leicht. Sie versuchen zu beschützen, doch das artet doch irgendwie aus. Unabsichtlich.

    Ich bin gut ausgestattet mit Minderwertigkeitskomplexen und fehlendem Selbstbewusstsein. Ich war immer schüchtern und hatte brav und artig und bescheiden zu sein. Das Selbstbewusstsein läuft in Kurven auf und ab - mal mehr und mal weniger. Ganz so schüchtern bin ich nicht mehr. Brav (leider) immer noch. Meist bescheiden. Du siehst: ich bin auf einem guten Weg. Ich hoffe, ich habe noch etwas Zeit das auszubauen. Mit dem Alter wird frau doch gelassener.

    Was mir hilft? Konkret? Meine Kinder. Und auch ganz viel mein jetziger Ehemann. Dem danke ich sehr dafür, auch wenn es nicht immer einfach ist.

    Einen schönen Tag noch.
     
  3. Clara Clayton

    Clara Clayton Well-Known Member

    Hallo Julchen,

    mir ist es da ähnlich wie Hortensie ergangen. So lange ich denken kann (und so lange sie lebte), hatte meine Mutter "Macht" über mich. Einerseits hat sie immer und andauernd betont wie wichtig es für mich sei selbstständig zu sein und mich in der Welt selbstbewusst durchzusetzen - andererseits sollte ich zu Hause genau das tun was sie befahl, nicht fragen, nicht denken und nach Möglichkeit "unsichtbar" sein. Ihrer Meinung nach war ich zu groß, zu hässlich zu dumm und zu fett. Meinetwegen musste sie sich ständig "fremdschämen". Sie hatte in ihrer Jugendzeit alles richtig gemacht, sei intelligent und schön gewesen und alle Männer seien hinter ihr her gewesen.

    Ich fühlte mich lange Zeit klein und minderwertig. In der Schule wurde ich gemobbt und sexuell belästigt. Lange Zeit habe ich darüber nicht sprechen können.

    Ich war sehr jung, als ich von zu Hause fort zog. Mein Vater starb als ich 14 Jahre alt war. Danach wurde es noch schlimmer für mich mit meiner Mutter zusammenzuleben. Ich zog zunächst zu meiner Oma und danach mit meinem jetzigen Mann zusammen. Aber erst als wir komplett aus der Gegend fortzogen, gelang es mir mich so nach und nach von meiner Mutter zu lösen.

    Mit Anfang 20 wurde ich dann krank. Meine Tochter war gerade 1 Jahr alt geworden, da bekam ich die Diagnose Knochentumor. Die Ärzte teilten mir unumwunden die schlechte Prognose, was meine Lebenserwartung anbetraf, mit. Wie zu erwarten standen mein Mann und ich mit unserer Tochter alleine da. Meine Mutter besuchte mich lediglich einmal im Krankenhaus. Sie war weder für unsere kleine Tochter, noch für meinen Mann- und schon gar nicht für mich, da.

    Es klingt irgendwie kurios, doch genau diese schwere Zeit hat mich endlich erwachsen werden lassen. Ich durchstand sämtliche Operationen. Der Tumor war längst nicht so aggressiv, wie mir die Ärzte zunächst erklärt hatten. Allerdings waren einige Klinikaufenthalte und etliche OP´ s nötig, um die Nachfolgen des Tumors zu minimieren. Die letzte Operation hatte ich im letzten Jahr.

    Als meine Mutter vor fast 9 Jahren zum wiederholten Male an Krebs erkrankte, schaffte ich es sogar zusammen mit meinem Mann, unserer Tochter und meinen Geschwistern für unsere Mutter zu sorgen und für sie da zu sein. Als sie starb, hatte ich meinen Frieden mit ihr gemacht.

    Früher war ich bescheiden und zurückhaltend. Heute kann mir keiner mehr was. Ich habe zu viel erlebt, als das ich mir noch von irgendwem etwas gefallen lassen muss. Ich habe nur ein Leben, das will gelebt werden. Für Zurückhaltung und Angst ist es mir zu schade.

    Ich lebe nach dem Motto: 'Bescheidenheit ist eine Zier, doch besser lebt man ohne ihr'.;)
     

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